Rekordzahl an Kirchenaustritten in Nordrhein-Westfalen



Die Kirchen in Deutschland verlieren immer mehr an Rückhalt. Das zeigen auch die neuesten Zahlen an Austritten in NRW.

Viele Menschen in Deutschland kehren der Kirche den Rücken. In NRW gab es einen neuen Rekordwert an Kirchenaustritten im Jahr 2021. Foto: dpa

Düsseldorf/Münster/Paderborn/Bielefeld (dpa/pa) - In Nordrhein-Westfalen sind im vergangenen Jahr 155.322 Menschen aus der Kirche ausgetreten. Das sind so viele wie noch nie in der bis 2011 zurückreichenden Statistik des Justizministeriums in Düsseldorf.

2020 noch weniger Austritte als zuvor

Der bisherige Höchstwert dort waren 120.188 Austritte im Jahr 2019 gewesen. Im Jahr darauf, 2020, waren es 89.694, was im Allgemeinen mit der Corona-Pandemie erklärt wurde. Es dauerte zum Beispiel einige Zeit, bis die Amtsgerichte etwa die Möglichkeiten für Online-Austritte ausgebaut hatten.

So verzeichneten auch die katholischen Bistümer Münster und Paderborn im Jahr 2020 weniger Austritte als noch ein Jahr zuvor. In Münster kehrten 12.698 Menschen (2019: 16.654) der Kirche den Rücken, in Paderborn 10.104 (2019: 13.109). Aktuelle Zahlen können beide Bistümer nicht liefern, teilten sie auf „Glocke“-Nachfrage mit.

Keine aktuellen Zahlen aus den Bistümern

Eine Übersicht über die Zahl der Kirchenaustritte in der evangelischen Kirche gibt es aktuell ebenfalls nicht. Die Evangelische Kirche von Westfalen mit Sitz in Bielefeld verzeichnete 2020 jedoch mit 16.123 Kirchenaustritten ebenfalls einen deutlich geringeren Mitgliederverlust als ein Jahr zuvor (minus 22,5 Prozent).

Aus den am Donnerstag vorgelegten Zahlen des Justizministerium lässt sich nicht ablesen, wie sich die Austritte nach Konfessionen aufschlüsseln. Das vergangene Jahr war aber vor allem für die katholische Kirche in Deutschland eine Krisenzeit. So schnellten im größten deutschen Bistum, dem Erzbistum Köln, die Austrittszahlen in die Höhe, nachdem sich Kardinal Rainer Maria Woelki entschieden hatte, ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Missbrauchsvorwürfen aus rechtlichen Gründen zurückzuhalten.

Talfahrt scheint nicht zu enden

Der katholische Kirchenrechtler Thomas Schüller von der Universität Münster sagte der Deutschen Presse-Agentur, es sei derzeit nicht zu erkennen, wie die Talfahrt noch gestoppt werden könnte. „Die katholische Kirche rast mit diesen Zahlen in den Abgrund ihrer Bedeutungslosigkeit. Die katholische Kirche in ihrer bekannten Sozialgestalt stirbt ohne Hoffnung auf Wiederkehr.“

Von einer Volkskirche werde sie zur Minderheitenkirche. „Das muss nicht schlecht sein, wird aber den aktuell verantwortlichen Bischöfen viel abverlangen“, sagte Schüller.

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