Urteil gegen Mutter von Missbrauchsopfer aufgehoben


Das Landgericht Münster hatte die Mutter eines vergewaltigten Jungen zu fast acht Jahren Haft verurteilt. Laut BGH ist die Strafe zu hoch.

Die Laube ist einer der Tatorte im Missbrauchskomplex Münster. Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs wird das Urteil gegen die Mutter eines vielfach vergewaltigten Jungen zur Neubestimmung der Strafe an eine andere Kammer des Landgerichts Münster zurückverwiesen.

Karlsruhe/Münster (dpa) - Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Strafmaß im Urteil gegen die Mutter eines vielfach vergewaltigten Jungen in Münster aufgehoben. Das Münsteraner Landgericht hatte die allein sorgeberechtigte Frau im Oktober 2021 wegen Beihilfe durch Unterlassung zu sieben Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

BGH verlangt geringeres Strafmaß

Die Frau habe gewusst, dass ihr Lebensgefährte den zur Zeit des Urteils zwölfjährigen Jungen immer wieder schwer sexuell missbraucht habe, so das Münsteraner Gericht. Sie habe aber nichts dagegen unternommen. Der Junge sei schwer traumatisiert.

Dem Urteil an sich widersprach der BGH nicht, verlangte aber ein geringeres Strafmaß. Die besondere Vertrauensstellung der alleinerziehenden Mutter sei zu stark strafverschärfend berücksichtigt worden, entschied das Bundesgericht in einem am Montag veröffentlichten Beschluss (4 StR 34/22). Das Urteil werde aufgehoben und zur Neubestimmung der Strafe an eine andere Kammer des Landgerichts Münster zurückverwiesen.

Mutter hatte Teilgeständnis abgelegt

Der Lebensgefährte der Verurteilten gilt als Drahtzieher im Missbrauchskomplex, der sich um Vergewaltigungen von Kindern in einer Gartenlaube in Münster und anderen Orten in Deutschland dreht. Der IT-Techniker war im Mai 2020 festgenommen und zu 14 Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Die Mutter hatte in ihrem Prozess ein Teilgeständnis abgelegt. Sie sei aber nicht in der Lage gewesen, die Beziehung zu beenden, hatte sie gesagt.

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.