Westfalen-Tarif: Verkehrsverbund OWL fordert Reform


Der ÖPNV muss attraktiver werden. Darüber sind sich alle einig. Wie das gelingen kann, hat der Verkehrsverbund OWL nun vorgestellt.

Einfacher mit Bahn und Bus unterwegs sein in Westfalen: Das fordert der Verkehrsverbund OWL und hat nun konkrete Vorschläge zur Umsetzung gemacht.

Bielefeld (gl) - Drei Monate konnten die Bürgerinnen und Bürger mit dem 9-Euro-Ticket in ganz Deutschland den ÖPNV nutzen. Dazu gab es eine bundesweite Begleitforschung, an der sich auch der Verkehrsverbund Ostwestfalen-Lippe (VVOWL) beteiligte und diese noch um regionale Fragestellungen erweiterte. Erste Ergebnisse wurden nun auf der VVOWL-Verbandsversammlung am Donnerstag in Bielefeld präsentiert. Einhelliges Fazit: Die einfache Handhabung macht das 9-Euro-Ticket so attraktiv. „Das muss es künftig auch für den Westfalen-Tarif gebe“, so der Verband in einer Mitteilung.

Preis und Einfachheit sind Pluspunkte

Die Zukunft des Tarifs und die Marktforschung zum 9-Euro-Ticket waren zentrale Themen auf der Verbandsversammlung in Bielefeld. In der deutschlandweit angeleiteten Studie unter Federführung des VDV wurden über den gesamten Aktionszeitraum bundesweit kontinuierlich zirka 6000 Personen jede Woche in Online-Interviews befragt. Dazu kamen zusätzlich zirka 350 Personen je Monat aus dem VVOWL-Gebiet. Befragt wurde bevölkerungsrepräsentativ, das heißt alle Kundengruppen inklusive Nichtkäufer.

Michael Morkramer, Marktforscher beim VVOWL, stellte den Verbandsmitgliedern aus Politik und Verwaltung die umfassenden Ergebnisse vor. Die Erkenntnisse für den VVOWL-Raum weichen demnach in einigen Nuancen etwas ab von denen der bundesweiten Befragung. Neben dem extrem günstigen Preis hoben die Befragten im Gebiet des VVOWL vor allem positiv hervor, dass das Ticket einfach und klar sei und man fahren könne, ohne groß über den Tarif nachdenken zu müssen. Ein weiteres Fazit: In den meisten Fällen wurde das Ticket für wohnortnahe Fahrten genutzt.

Reformen gefordert

Auf Basis dieser Erkenntnisse hat der VVOWL gemeinsam mit seinen Verbandsmitgliedern konkrete Vorschläge für eine Reform des Westfalen-Tarifs diskutiert. Der Westfalen-Tarif sei in seiner jetzigen Form zu komplex. Das stelle insbesondere für Neukunden und Gelegenheitsfahrer häufig ein Hemmnis dar, so VVOWL-Geschäftsführer Stefan Honerkamp. Auch mit der Einführung eines bundesweit gültigen Monatstickets bleibt ein Bedarf an einfachen Tarifangeboten für den Nahbereich und Einzelfahrten. Die jetzt ausgesprochenen Empfehlungen des VVOWL für einen neustrukturierten Westfalen-Tarif gehen in diese Richtung.

Der VVOWL fordert eine radikale Kürzung der Anzahl der Preisstufen und eine grundlegende Vereinfachung der Abo- und Ticketangebote sowie ihrer räumlichen Geltungsbereiche. Insbesondere für Gelegenheitskunden, die eher auf Einzelfahrten setzen, müsse auf regionaler Ebene ein leicht zugängliches Angebot geschaffen werden, etwa durch die Stärkung des bereits bestehenden elektronischen Tarifs „eezy Westfalen“. Mit einem Preisdeckel und einem vom Fahrgast individuell festlegbaren Fahrtgebiet, einer sogenannten „Homezone“, ist er flexibel unterweis, zahlt nur die tatsächlichen Fahrten und bleibt garantiert unter dem Preisdeckel.

Schnelle Umsetzung gefordert

Die Verbandsversammlung empfiehlt ihren Mitgliedern, die erarbeiteten Vorschläge zeitnah in die zuständigen Tarifgremien zu bringen. Die Neustrukturierung soll möglichst zum 1. August 2023 erfolgen. Verbandsvorsteher Oliver Gubela sieht dafür gute Chancen: „Eine erfolgreiche Verkehrswende benötigt neben einem guten Angebot in der öffentlichen Mobilität einfache und kundenorientierte Tarife. Die Bürgerinnen und Bürger erwarten dies zurecht.“

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