Wisent-Herde im Sauerland jetzt herrenlos


Seit Jahren gibt es Streit um die Wisente im Rothaargebirge. Jetzt ist eine Entscheidung bezüglich des Projekts gefallen. 

Auf mittlerweile 25 Tiere ist die Wisent-Herde in NRW – die einzige freilebende in Deutschland – angewachsen. Nun hat der Trägerverein das einstige Vorzeigeprojekt beendet. Damit sind die Wisente nun herrenlos. Foto: dpa

Siegen (dpa/gl) - Es sollte ein Vorzeigeprojekt im deutschen Artenschutz werden: Die Wiederansiedlung der einst in Deutschland ausgestorbenen Wisente im südwestfälischen Bad Berleburg (Kreis Siegen-Wittgenstein). Nun soll das Projekt am Rothaarsteig soll beendet werden.

Kein Konsens in der Region

Der Trägerverein Wisent-Welt-Wittgenstein könne die erforderlichen Rahmenbedingungen für eine Weiterführung nicht schaffen, teilte der Kreis Siegen-Wittgenstein mit. Es sei auch nicht möglich, einen Konsens für eine Weiterführung in der Region herzustellen. Um Deutschlands einzige freilebende Wisent-Herde gibt es seit Jahren Streit.

„Da die Voraussetzungen für ein auf Dauer angelegtes Ansiedeln der Wisente nicht gegeben sind, soll das Wisent-Projekt jetzt abgewickelt werden“, erklärte der Kreis, ohne genauere Angaben zum Verfahren. Der Kreis verwies darauf, dass der Bundesgerichtshof die öffentlichen Dienststellen in die Pflicht genommen habe, den bisherigen Projektverlauf zu bewerten und daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Die Entscheidung sei „mehr als bedauerlich, aber unabweisbar notwendig.“

Vorwurf des Kreises

Zugleich warf der Kreis dem Trägerverein vor, einen „rechtlichen Kniff“ anzuwenden, um sich seiner Verpflichtungen zu entledigen. Der Verein habe am Mittwoch die Herrenlosigkeit der Herde sowie die Kündigung der bisherigen Vereinbarung erklärt. Damit wolle man damit die Verantwortung auf die öffentliche Hand überwälzen.

Die Wisente waren 2013 unter großer öffentlicher Beachtung freigesetzt worden. Die auf 25 Tiere angewachsene Herde blieb aber nicht, wie erwartet, nur im Rothaargebirge, sondern streifte auch durch das benachbarte Sauerland, wo sie zum Ärger der Waldbesitzer an Buchen erhebliche Schäden verursachte.

Tiere sind streng geschützt

Klaus Hackländer, Wildtierbiologe und Vorstand der Deutschen Wildtier Stiftung, sieht in der Beendigung des Experiments auch einen moralischen Widerspruch: „Wenn wir es nicht schaffen, in Deutschland einen großen Pflanzenfresser auf einer kleinen Fläche zu tolerieren, wie können wir dann von afrikanischen Ländern fordern, Schäden von Elefanten in der Land- und Forstwirtschaft zu dulden?“

Die Deutsche Wildtier Stiftung hatte gemeinsam mit dem Zoo Köln und dem Trägerverein erst in diesem Frühjahr die Zusammenarbeit in einer Wisent-Allianz vereinbart, um das Projektmanagement zu professionalisieren und insbesondere die Bedeutung des Projektes für den Artenschutz hervorzuheben. Die freilebenden Tiere unterliegen ab sofort dem Artenschutz – und sind damit streng geschützt.

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