WLV fordert Ausstiegsprämie für Schweinehalter


Bisher ein Tabuthema für die Landwirte in Westfalen-Lippe. Doch nun fordern sie eine staatliche Prämie, wenn ein Betrieb aufgegeben wird.

WLV-Präsident Hubertus Beringmeier ist selbst Schweinemäster. Nun fordert er eine staatliche Ausstiegsprämie für Schweinehalter.

Münster/Hannover (dpa/gl) - Die Bauernverbände in Westfalen-Lippe und Niedersachsen fordern angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage der Schweinehalter eine staatliche Ausstiegsprämie. Wer die Zucht oder Mast aufgebe, sollte eine Entschädigung bekommen. Das sollte in die Nationale Nutztierstrategie aufgenommen werden, forderten Landvolk Niedersachsen und der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) am Dienstag. 

Mehrere Faktoren spielen Rolle

In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen werden 15 Millionen der deutschlandweit 25 Millionen Schweine gehalten. Allein in Niedersachsen sank die Zahl der schweinehaltenden Betriebe seit Mai 2018 von 5700 auf 5000. 

Die Verbände beklagen, dass neben der schwierigen Marktlage wegen Corona und der Afrikanischen Schweinepest auch hohe behördliche Auflagen die Situation der Höfe erschwert. „Um einen von der Gesellschaft und der Politik gewünschten Prozess nicht zu einem Strukturbruch werden zu lassen, braucht es eine finanzielle Unterstützung in Form einer Umstrukturierungsprämie oder einer Entschädigung für den Ausstieg aus der Tierhaltung“, sagten die Präsidenten Holger Hennies (Landvolk) und Hubertus Beringmeier (WLV).

Früher erfolgte Strukturwandel sozialverträglich

Früher hatten die Landwirte eine solche Form der Entschädigung noch abgelehnt, weil der Strukturwandel bisher „sozialverträglich erfolgte“, wie Beringmeier in der Mitteilung des WLV erklärt. Dies sei heutzutage im Zuge des Wandels in der Landwirtschaft aber anders. 

„Angesichts der seit langem katastrophalen Erlössituation bei Ferkeln und Schlachtschweinen und des Fehlens einer Perspektive über die künftige Ausrichtung der Schweinehaltung sehen viele unserer Bauernfamilien keine Zukunft mehr für die Weiterführung ihrer Nutztierhaltung. Wir brauchen daher staatliche Unterstützung, um ein flächendeckendes Wegbrechen von Strukturen sozialverträglich abzufedern“, so der westfälisch-lippische Bauernpräsident.

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